Hast du es auch? Dieses komische Gefühl beim Trinken aus der Plastikflasche? Dieses Gefühl aus Angst vor Mikropartikeln, Schadstoffen und Krankheiten sowie dem inneren Gewissensbiss der Natur gerade kräftig “in den Arsch zu treten”.  Mir hat in der letzten Zeit vor allem der Verzehr aus Glasflaschen oder aber von Leitungswasser aus unseren wiederverwendbaren Trinkflaschen aus Aluminium über diese Unsicherheit hinweg geholfen.

Was aber machen, wenn Glasflaschen oder das Trinken aus wiederverwendbaren Flaschen aus logistischen, kulturellen, ökonomischen und sogar ökologischen Gründen wenig sinnvoll ist? Und was ist wenn wir Menschen keine Zeit haben, unsere Konsumgewohnheiten wirklich nachhaltig zu ändern, ehe es zu spät ist?

Herkömmliches Plastik ist endlich in der Sinnkrise

Ari Jónsson empfand das dringende Bedürfnis ein Ersatzmaterial zu entwickeln. Der Grund dafür war seine Erkenntnis, dass 50% der Plastikprodukte einmal benutzt & anschließend weggeworfen werden. Die Frage die er sich stellte war, warum wir Materialien verwenden, die hunderte von Jahren (ca. 500-1000 Jahre) brauchen um sich in der Natur zu zersetzen? Die einmalige Nutzung eines solchen Materials, das ohne weiteres Zutun große Zeiträume überlebt, scheint Paradox und birgt dennoch viele große Gefahren für Mensch und Natur.

 

“I read that 50 percent of plastic is used once and then thrown away so I feel there is an urgent need to find ways to replace some of the unreal amount of plastic we make, use and throw away each day. 

Ari Jónsson in Dezeen magazine

Die Lösung kommt aus dem Meer

Umso erstaunlicher ist Jónsson’s Lösungsvorschlag: Agar oder auch Agar-Agar, ein Stoff der vorwiegend aus Rotalgen gewonnen wird, als Ausgangsmaterial für sich selbstzersetzende Flaschen zu verwenden. Agar selbst ist dabei keine grundsätzlich neue Entdeckung, da es als Ersatz für Gelier- und Dickungsmittel (sonst tierischen Ursprungs), schon seit Jahren gerne in der vegan- / vegetarischen Szene für Speisen genutzt wird. Die Lebensmitteltauglichkeit ist somit gegeben (Agar-Agar ist als technologischer Zusatzstoff E406 bereits in vielen Produkten enthalten.)

 

Und wie wird aus dem Pulver jetzt die Flasche?

Der Prozess ist denkbar einfach. Das Pulver wird in Wasser aufgelöst und solange erhitzt, bis es diese sämige, karamellähnliche Konsistenz hat. Anschließend wird die “Suppe” in eine Flaschenform gefüllt und dann unter drehenden Bewegungen in kaltem Wasser herunter gekühlt bis der Abguss erstarrt ist. Als Nächstes die Form entfernen, Wasser einfüllen und fertig ist die Ökoflasche. Was sich jetzt vielleicht nicht so spannend liest, ist in Jónssons kleinem Video umso spannender und macht Lust aufs Nachmachen.

© Ari Jónsson | Source: https://vimeo.com/187996012

Die Form folgt der Funktion

Die Agari-Flasche behält ihre Form und Größe nur so lange sie mit Wasser gefüllt ist. Wenn sie brav ausgetrunken wurde verändert sie sich – trocknet aus, schrumpft in sich zusammen und beginnt sich zu zersetzen und kann so auf nachhaltige Weise wieder in die Umwelt gelangen.

“This water bottle only lives as long as its purpose.”

Ari Jónsson

Natürlich handelt es sich beim Agari Projekt derzeit noch um ein Experiment – von der Marktreife ist bei weitem noch nicht zu sprechen. Vor allem, so sagt Jónsson, weil die Flaschen noch sehr empfindlich sind – schnell reißen können. Und da hilft dann auch die beste und nachhaltigste Verpackung nichts, wenn das Wasser auf dem Weg nach Hause schon aus dem Beutel läuft. Eines stimmt mich jedoch zuversichtlich, sogar fröhlich: Jónsson hat mit der Ausstellung seines Experiments auf dem Reykjavik Design Festival DesignMarch (10. – 13. März 2016) nicht nur eine Menge weltweite Aufmerksamkeit erhalten, sondern zugleich mit dem Icelandic Centre for Research einen potenten Partner zur Verfolgung der Idee an der Hand.

Was sind eure Gedanken zu Jónssons Experiment? Habt ihr Lust es zu Hause einfach mal nach zu machen – vielleicht in Form eines Trinkglases für den Anfang?

° Images courtesy of Ari Jónsson via Dezeen

° Quellen: Dezeen / Inhabitat