Dieses Jahr haben wir Paris bereist.

Oft lese ich bei Bloggern, die über das Thema nachhaltiges Reisen nachdenken, in den Kommentaren, sie sollten doch einfach gar nicht reisen. Da ja zu Hause bleiben am nachhaltigsten wäre. Das mag rein objektiv vielleicht richtig sein, jedoch ist Nachhaltigkeit für mich ein Thema, das auch das Innenleben eines Menschen betrifft. Nachhaltig ist etwas, das lange hält. Das wertgeschätzt wird. Mit dem man sich auseinander gesetzt hat. Es ist nicht gerade so, dass ich bisher von der Welt viel gesehen hätte, deswegen möchte ich zum Thema nachhaltig Reisen gern etwas aus Sicht einer Person sagen, zu deren Leben Reisen bisher nicht wirklich gehört hat. Es fällt mir schwer solche wertschätzenden – nachhaltigen – Gefühle wirklich tief gehend für eine Welt zu empfinden, die ich gar nicht kenne.

Wir sind also nach Paris geflogen – der Anfang dieser Geschichte.

Ja, ein Flug ist nicht gerade perfekt für die Umwelt. Ist Fleisch essen auch nicht. Oder Plastik benutzen. Oder mit Deos herumsprühen. Oder Auto fahren. Jeder tut etwas, das nicht gut für die Umwelt ist, es sei denn er lebt als Selbstversorger fernab der Zivilisation und fügt sich perfekt in die Natur ein – dann gibt es meinen großen Respekt an dich – aber du liest das hier eh nicht, denn du hast weder Internet, noch irgendein Gerät um diesen Text anzuzeigen. Wenn du das hier liest, dann verhältst du dich also genauso wie ich nicht perfekt für diese Welt. Und das ist okay. Ich bin nicht ideal für diese Welt, mit der Art wie ich lebe. Aber ich mag es, mir ein paar Gedanken zu machen. Über das Gute das ich tun kann, das Schlechte, das ich tue und alles dazwischen. Diese Gedanken will ich mit euch teilen. Ich bin gespannt, was ihr dazu sagt.

Nachhaltige Urlaubsgedanken aus Paris

An einem Ort zu schlafen, an dem normalerweise jemand wohnt, finde ich ziemlich gut. Fühlt sich irgendwie nachhaltiger an, als extra einen neuen Ort zu bauen, an dem jemand nur vorübergehend wohnen kann. Allerdings gibt es in Hotels ja auch neue Arbeitsplätze und da zumeist sowieso überall etwas gebaut wird – warum dann nicht ein Gasthaus. Wenn ich die Wahl habe, finde ich das Wohnen bei jemand anderem aber dennoch schöner und normalerweise ist es auch finanziell viel sinnvoller. Wir haben in dem – zugegebenermaßen ein bisschen heruntergewirtschafteten – Zimmer eines Studenten übernachtet, der gerade im Ausland ist. Eine gute Sache, vor allem, weil wir fast neben dem Musee D’Orsay gewohnt haben. Eine wundervolle Lage, die wir wirklich weiterempfehlen können, da man von hier aus sozusagen mitten an der Seine ist und sich Abends unter die Einheimischen mischen kann, die in Massen im Park oder am Seine-Ufer sitzen und Wein und Baguette frönen! (Oh ja, ich habe frönen geschrieben – ist ja ein Beitrag über Paris, da muss man schon mal die coolen Wörter rausholen.) Wir haben also in einer Studentenbude mit super Lage gewohnt. Da verzichtet man gern auf Platz und schlendert zur Toilette über den Gang. Fine with me – ich bin ja hier um Paris kennen zu lernen und nicht um königlich zu residieren. Außer im Geiste natürlich, da kann ich so königlich durch die Pariser Straßen wandeln, wie ich will, ha!

Ortswechsel, Bewegung und Besichtigung

In der kompletten Zeit in Paris (5 Tage) sind wir nur auf dem Weg zum und vom Flughafen mit öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren. Das hat 3 Vorteile:

01 Geld sparen
Wer nicht fährt, zahlt nicht. Macht Sinn! Zu Fuß gehen ist kostenlos. (Den höheren Schuhverschleiß mal ausgerechnet.) Ich empfehle euch aber ganz dringend, vorher euer Schuhwerk zu überdenken. Ich hatte dabei: Flip-Flops aus Gummi (dumme Idee damit 10 Kilometer laufen zu wollen!!), Sneaker (Unfassbar viel zu warm bei bis zu 30 Grad und langen Fußmärschen und außerdem bösartig schmerzhaft auf den Blasen, die ich von den Flip-Flops bekommen habe), Ballerinas (ebenfalls ungeeignet um damit 10 Kilometer zu laufen…). So musste ich mir tatsächlich in Paris neue Schuhe kaufen, die ich euch hier definitiv nicht verlinken werde, weil sie nicht nachhaltig sind und ich sie auch nicht gekauft hätte, wenn ich nicht mit blutenden Füßen keinen weiteren Schritt mehr in meinen Schuhen hätte gehen können. Ich hab also weder wirklich gespart, noch hab ich mich hier nachhaltig verhalten. Daumen runter für mich an dieser Stelle… Das soll keine Entschuldigung sein. Seid einfach cleverer als ich und nehmt euch vernünftiges Schuhwerk mit, damit euch so etwas nicht passieren kann! Seit dem trage ich die Schuhe (die Schwarzen auf dem Titelbild) übrigens ständig, damit es wenigstens Sinn gemacht hat, sie zu kaufen.

02 Nachhaltigkeit
Wer nicht fährt, verbraucht keine Ressourcen.

03 Mehr Erleben
Wenn man zu Fuß in einer fremden Stadt unterwegs ist, hat man die Chance sich wirklich umzusehen. Die Dinge zu entdecken, die einen selbst faszinieren und fesseln, statt nur jene, die weithin allen Touristen empfohlen werden. Selbst wenn man sich unbekanntere Geheimtipps heraussucht, findet man auf dem Fußweg dorthin so viele wunderbare Dinge. Sich die Zeit für einen langen Weg zu nehmen, ist für mich ein wichtiger Teil des Urlaubs, denn diese Bewegung draußen kombiniert mit dem Sammeln neuer Eindrücke, ist definitiv etwas, was mir sehr gut tut. Ein perfektes Beispiel war unser Weg zur Galeries Lafayette: Wir sind nach dem Mittagessen etwa eine Stunde dorthin gelaufen und haben auf dem Weg wirklich tolle Eindrücke von der Stadt mitgenommen. Angekommen dann muss ich sagen – die Galerie hat uns ziemlich enttäuscht. Bis auf die schöne Kuppel hat mich das ganze eher an einen großen, vollgestopften, teuren Karstadt erinnert und hatte für mich so gar nichts tolles oder magisches. Ich denke, das ist definitiv nur was für Shopping Queens & Kings. Schöne Architektur gibt es in Paris an so vielen Orten, da ist diese Kuppel zu verschmerzen, wenn sie auch wirklich schön ist. Was ist nun die Moral von der Geschicht‘? Wer nicht läuft, der sieht auch nicht.

Natürlich sind wir nicht ziellos umher geirrt und haben auch die großen Touristenziele mitgenommen, aber die wirklichen Momente, die tief in uns hängen geblieben sind, haben wir nicht beim Eiffelturm, nicht bei der Aussicht von Montmatre und nicht auf der Champs Elysées erlebt. Die wichtigen Momente liegen woanders. Auf dem Weg.

Nachhaltig im Herzen

Die Momente, die ganz tief in mir hängen geblieben sind, sind die kleinen Dinge. Die, die ich als nachhaltig im Herzen bezeichnen würde. Das ist nicht der prunkvolle, duftintensive Abercrombie und Fitch Laden, in dem wir plötzlich gelandet sind, weil die Hecken, die dorthin führen, so schön ausgesehen haben. Das ist nicht Notre Dame mit seinen Touristenmassen, wenn es zugegebenermaßen auch wirklich wunderschön und faszinierend ist, besonders die Wasserspeier. Es sind andere Momente. Das erste mal jemanden mit vielen Baguettes unter dem Arm zu sehen und mich wie ein Kleinkind zu freuen, weil ich immer dachte, das wäre nur im Film so. Die vielen kleinen Enten, die dort gerade anscheinend überall geboren wurden, kurz bevor wir ankamen. Die wunderschönen Parks mit den blühenden Bäumen und Büschen. Das Pärchen, das an der Seine tanzte, als gäbe es kein Morgen. Die Lautstärke des Lachens der Einheimischen und das klirren der Weinflaschen abends an de Seine. Der kleine Lachanfall, nur für dich und mich verständlich, als ich sagte „Der Eiffelturm ist ja doch ganz schön, so mit etwas Abstand.“ und er plötzlich anfing zu glitzern, was so gar nichts für mich war und was du ganz genau gewusst hast. Es war die beruhigende Leere in den Tuilerien am Montag, wo der Louvre nicht geöffnet hat und der Eichelhäher, den ich mitten in der Stadt nicht erwartet habe. Es war dieser Moment, als eine ganze asiatische Reisegruppe plötzlich neben mir im Louvre stehen blieb, nur weil ich ein Bild fotografierte, das nicht berühmt ist. Und wie sie es alle völlig begeistert ablichteten, als wäre es das neue ganz große Ding im Louvre. Es waren die vielen Momente, wo du einfach meine Hand genommen hast. Die Zeit, die du dich beim Spazieren immer wieder umgesehen hast um die Carrie-Brücke aus dem Sex and the City Finale für mich zu finden. Und es war immer wieder der Moment zum Stehen blieben, der mich sagen ließ „Es ist so schön hier, als wäre jedes Haus ein Museum.“ Es war die Art, wie ich darauf bestand jeden Tag meine Brücke zu besuchen. Wie wir über den Fotografen gelacht haben, der in Montmarte in Jogginghose genervt ein Brautpaar ablichtete, als ob er nichts schlimmer fände, als diesen Moment – und wie eine Taube sich das ganze seelenruhig ansah. Es waren die kleinen Momente, die ganz tief in mir hängen geblieben sind. Auch das ist Nachhaltigkeit. Etwas das vorhält. Etwas, das bleibt.

Nachhaltig im Magen – vegan (und bezahlbar) in Paris

Ernährt haben wir uns zum einen natürlich von Baguette und Wein (konnte man am auf der Champs Elysées auch noch mitten in der Nacht kaufen), zum anderen aber auch in zwei sehr, sehr wunderbaren Restaurants:

Hanks Burger bietet vegane Burger an. Besonders ist hier, dass man bestellt und seinen Namen sagt, der dann später aufgerufen wird, wenn das Essen fertig ist. Mein Tipp für euch: Falls euer Name für Franzosen schwer auszusprechen ist, wählt einen anderen. Seid mal wild, heißt heute anders 😉 Oh, und noch ein Tipp. Ihr solltet euch den neuen Fake-Namen merken, sonst bekommt ihr euer Essen nie. Und das wäre eine Schande, denn es schmeckt wirklich gut! Im Hanks haben wir uns auch eine faire Cola geholt, die zwar cool aussah, aber leider nicht geschmeckt hat. Bleibt also lieber bei den mega leckeren Burgern und Fritten, die dort serviert werden und holt euch eine Limo oder ein Wasser in der Glasflasche dazu, das macht mehr Sinn für die Umwelt und schmeckt besser.

hankburger.com / 55 Rue des Archives

Die zweite Anlaufstelle für vegan-lüsterne und laufbereite Reisende ist das WILD & THE MOON.

Ein klarer Fall von einem Oh.Mein.Gott.Ist.Das.Gut. Restaurant. Es gibt ein Hauptrestaurant (Boutique-café) und eine kleine Aussenstelle (Wild Lab). Definitiv einen Besuch wert! Im Hauptrestaurant ist es nicht nur wunderschön, was ich leider nicht fotografiert habe, weil ich die ganzen Studenten dort nicht nerven wollte, sondern es gibt auch Wasser, was man sich einfach nehmen kann. In kleinen hübschen Kannen. Man kann vom Avocadotoast über einige warme Gerichte bis hin zu diversen Salaten eigentlich alles bekommen, was das vegane Herz so begehrt. Das Highlight dort sind aber die unfassbar guten und kreativen Drinks. Am meisten hat es mir die Black Lemonade angetan. Aber auch die goldene Milch, Matcha Milch und so vieles andere dort waren einfach nur unglaublich! Nicht billig, aber definitiv zu 100% das Geld wert. Auf den Drinks steht wofür sie gut sind, beispielsweise für schnelle Energie, um Ruhe zu finden, für einen Detox nach durchzechter Nacht etc. Ich war so begeistert, ich hätte dort den ganzen Kühlschank leerkaufen können. Lohnt sich!

wildandthemoon.com
Boutique-café: 55 rue Charlot
Wild Lab: 25 rue des Gravilliers

Was sind eure Lieblingsecken in Paris? Wo fühlt ihr euch wohl? Wie steht ihr zum Thema Reisen? Wohin sollte ich dringend mal? Ihr sprecht hier mit einer Reise-Anfängerin, jeder Tipp ist für mich neu. 😉