Wer im Bad alles selbst herstellen will, der kommt nicht umhin mit den Dingen zu beginnen, die man nicht weglassen kann – denn einige Badezimmer-Utensilien braucht man täglich. Die Zahnpasta begleitet uns morgens und abends und auch mal zwischendurch.

Wann immer wir etwas selbst herstellen – beziehungsweise damit experimentieren, etwas selbst herzustellen und hundert Fehlversuche durchleben, bis es klappt 😉 – gehen wir nach einem simplen Schema vor. So auch bei der Herstellung von Zahnpasta.

How To? Was muss ich beachten, wenn ich Zero Waste Zahnpasta zu Hause herstellen will?

01 Warum möchte ich das Produkt selbst machen?

Ich finde es wichtig, dass die Antwort auf diese Frage geklärt ist. Erstens könnt ihr dann Nachfragen besser beantworten, zweitens motiviert es euch, das Produkt neu herzustellen, wenn es alle ist. Ihr werdet in solchen Momenten merken, wie tief der “Kauf’s halt einfach!” Gedanke sitzt. In meinem Fall lautet die Antwort: Ich möchte gern wissen, was in meiner Zahnpasta enthalten ist und Plastik in meinem Mund und Mülleimer so gut ich kann vermeiden.

Nicht nur die Zahnpasta-Tube besteht aus Plastik (i.dR. aus PE Polyethylen welches aus Erdöl oder aus flüssigem Erdölgas synthetisch hergestellt wird), sondern in einigen Fällen auch Teile des Inhalts. Glücklicherweise haben in zwischen der große Teil der Zahnpasta-Hersteller Produkte mit Mikroplastik-Teilchen vom Markt genommen. Das sind kleine Kügelchen zum Polieren der Zähne, die auch gern mal verschluckt werden oder in offenen Zahntaschen / kleinen Wunden zurück bleiben. Die steigende Vermeidung solcher Mikroplastikteilchen ist ein großer Erfolg, bei dem die Hersteller auf die heftige Kritik von Konsumenten und Marktbeobachtern reagiert haben – dennoch verbleiben in vielen Hygiene-Produkten immer noch Mikroplastik-Partikel. Wenn du dich dafür interessierst, was in anderen Produkten so alles an Mikroplastik drin steckt, können wir dir an dieser Stelle den BUND-Einkaufsratgeber (PDF-Datei) empfehlen. Zusätzlich ist noch zu erwähnen, dass die Mikroplastik-Partikel so winzig sind, das sie nicht von den Klärwerken aus dem Abwasser heraus gefiltert werden können, sie bleiben also im Kreislauf unserer Natur erhalten. (Mehr dazu könnt ihr in dieser Studie des Frauenhofer-Instituts nachlesen.)

Wenn nun die Mikroplastik-Partikel entfallen, ist das ja schon mal ganz nett. Aber was steckt sonst noch so drin in Zahnpasta?

– An dieser Stelle wollen wir dir natürlich keine Angst machen, aber es kann ja nicht schaden sich ein paar Gedanken über die möglichen Folgen unseres Lebensstils zu machen. Wir wollen hier weder einen Anspruch auf Vollständigkeit erheben noch etwas als Moralapostel verteufeln. –

Fluorid – ist das Mittel, das einem in ähnlicher Form als Lack beim Zahnarzt auf die Zähne gepinselt wird / wurde. Es soll den Zahnschmelz vor Demineralisation und dem Befall durch Karies schützen. Der Wirkstoff wurde von diversen Studien als gesundheitlich unbedenklich eingestuft und zur Verwendung in Zahnpasta freigegeben. Vorsicht jedoch bei Kindern – hier kann es zu einer Fluorid-Vergiftung bis hin zur Todesfolge kommen. Also liebe Kinder (und Erwachsene) besser nicht die ganze Tube Erdbeer-Zahnpasta vernaschen, auch wenn sie noch so süß schmeckt. (Q1) Zu dem bleibt aus meiner Sicht fraglich, wie sich die in Studien nachgewiesene Nervengiftigkeit und der Effekt auf die neuronale Entwicklung von Kindern langfristig (selbst bei geringen Mengen, wie sie in der Zahnpasta vorkommen) auswirken werden. (Q2)

Triclosan – wirkt anti-bakteriell und beugt Gingivits (Zahnfleischentzündung) vor. Ursprünglich im Jahr 1969 als Pestizid / Schädlingbekämpfungsmittel registriert (Q3), wird es heute vielfach in Körperpflege und Reinigungsprodukten eingesetzt. Triclosan steht heute im Verdacht die Entwicklung von Brustkrebs und Lebertumoren zu begünstigen. (Q4 / Q5 – hier leider im Tierversuch an Mäusen erforscht). Zudem konnte eine Schwächung der Muskelzellen bei Mäusen und an menschlichen Herzzellen festgestellt werden. (Q6)  Abgesehen von der hormonbeeinflussenden Wirkung, ist der Eintrag der Chemikalie in die Umwelt zu betrachten (z.B. über Abwässer), da dadurch Resistenzen in Bakterien hervorgerufen werden können, d.h. Antibiotika und Co. können am Ende potenziell gefährliche Erreger (z.B. das Escherichia coli – Kolibakterium) nicht bekämpfen. (Q7)

Natriumlaurylsulfat ist ein Tensid und dafür verantwortlich, das die herkömmliche Zahnpasta so schön schäumt, wie man es gewohnt ist. Die Frage ist: Ist das zwingend notwendig, wenn dadurch die Wirksamkeit des extra zugesetzten Fluorids (Verhindern von Karies) wieder vermindert wird (Q8) und es dazu beiträgt, die schützende Mundschleimhaut auszutrocknen, was zur Bildung von kleinen schmerzhaften Verletzungen (sog. Aphten) führen kann? (Q9)

02 Welche Eigenschaften des gekauften Produktes sollte das selbstgemachte Produkt haben? 

Herkömmliche Zahnpasta hat folgende Eigenschaften, die wir gern übernehmen möchten:

  • Zahnreinigung
  • Haltbarkeit (wenn auch nicht viele Monate lang)
  • Transportfähigkeit
  • Erfrischendes / Sauberes Gefühl nach dem Putzen

Es ist entscheidend sich das klar zu machen, um zu verhindern, dass ein selbst gemachtes Produkt auf einmal Ansprüchen ausgesetzt wird, für deren Erfüllung es nicht konzipiert wurde.

Zur näheren Erklärung, will ich euch ein Gegenbeispiel geben. Von meiner veganen Zero Waste Zahnpasta erwarte ich folgende Eigenschaften nicht:

  • Bunte Streifen auf weißem Grund / leuchtende Farben / blasses weiß
  • Zähne bleichende / weißende Funktion
  • “leckerer” Geschmack, der genau wie der von industrieller Zahnpasta ist
  • eine Plastikverpackung mit Schraubdeckel
  • die silikonartige Konsistenz, die eine gleichmäßige Wurst auf der Zahnbürste hinterlässt
  • Schäumen beim Zähneputzen

03 Welche zusätzlichen Eigenschaften sollte das selbstgemachte Produkt haben?

  • Zahnfleischpflege (ein angenehmes, schmerzfreies weiches Zahnfleisch)
  • Plastikfreiheit der Zahnpasta (vor allem keine “Reinigungskörperchen” die in meinem Zahnfleisch hängen bleiben)

04 Welche Inhaltsstoffe soll meine selbstgemachte Zero Waste Zahnpasta haben?

  • Kokosöl (am besten natives Kokosöl, aus einem Glas)
  • Grobes Salz (am besten Meersalz)
  • Heilerde (wir nehmen immer welche von Luvos)
  • Pfefferminzöl (Achtung, es muss Pfefferminzöl und für die innere Anwendung zugelassen sein, bitte kein japanisches Heilpflanzenöl aus dem Supermarkt schlucken! Am Besten fragt ihr in der Apotheke.)
  • Backnatron (auch: Backsoda, das gibt es in den meisten Drogerien, oder einigen Apotheken)

05 Wie stelle ich die Kokosöl Zahnpasta her?

Suche dir ein Gefäß aus Glas aus, um die Zahnpasta zu lagern (wir nehmen einfach ein Weckglas). Stelle das Glas in ein warmes Wasserbad oder auf deine Heizung. Gib nun 3 große Löffel Kokosöl in das Glas und lass es im immer wärmer werdenden Glas weich werden (das geht sehr schnell). Nun kannst du einen Esslöffel grobes Salz, einen gehäuften Esslöffel Heilerde, einen gehäuften Esslöffel Backsoda und je nachdem wie du es geschmacklich haben möchtest um die 15 Tropfen Minzöl hinzufügen. (Das Minzöl ist für Geschmack und Durchblutung in der Mischung, wenn du weniger oder etwas mehr hineintun möchtest, dann teste das ganz individuell für dich aus.) Dann einfach umrühren und ab ins Bad.

06 Was kostet mich das bisherige Produkt in der Anschaffung?

Die vergleichbare Menge “Colgate Total Original” kostet ca. 2,70€.

07 Was kostet das neue Produkt in der Herstellung?

20g Heilerde – 0,24 €
20g Backsoda – 0,12 €
20g Meersalz – 0,08 €
60g natives Kokosfett – 2,05€
15 Tropfen Pfefferminzöl – 0,58€

3,07 € (als Grundlage haben wir die Produkte genommen, die wir benutzen)

08 Wie wende ich meine vegane, plastikfreie DIY Zahnpasta richtig an und wie lagere ich sie für die beste Haltbarkeit?

Wir machen unsere Zahnbürsten immer ganz leicht nass (nicht tropfend!) und “dippen” sie dann in die Zahnpasta. Funktioniert immer prima und wir hatten auch bei längerer Lagerung nie ein Problem mit Bakterien / Schimmel / Geschmacksveränderung oder ähnlichem. Wir lagern das geschlossene Glas (mit Gummiring, so dass es wirklich zu ist) unter dem Waschbecken (also im Schatten, ich denke aber, das ist gar nicht unbedingt nötig) und je nach Badezimmertemperatur ist die Mischung fester oder weicher, weil das Kokosöl ab 17 Grad weich und irgendwann flüssig wird. Haltbarkeitsprobleme hatten wir bisher nie.

09 Warum finden wir persönlich unsere Zahnpasta besser, als die Zahnpasta aus der Tube?

Unsere Zahnpasta enthält keine Inhaltsstoffe die auf Erdöl-Basis (Reinigungskügelchen, Tube, technologische Inhaltsstoffe) hergestellt wurden. Die verbesserte Wirksamkeit der Plague-Entfernung durch Zähneputzen mit Backsoda ist sehr angenehm und wurde in den verlinkten Studien mit angemessener Teilnehmerzahl überprüft. (Q10 / Q11)  Auch wenn das Backsoda oft den schlechten Ruf hat, den Zahnschmelz anzugreifen, konnten wir nichts dergleichen feststellen. Seitdem die Zahnpasta selbstgemacht ist, gab es kein Karies mehr bei uns und auch die Zahnfleischentzündungen beim Herauswachsen lassen der Weisheitszähne sind viel weniger schlimm. Das Kokosöl (Q12 / Q13 / Q14) und die Heilerde wirken antibakteriell und wirken der Entzündung des Zahnfleisches (offene Zahntaschen) vor. Das Zahnfleisch fühlt sich dadurch wie “eingecremt” an. Die Zahnpasta Rückstände im Wasser sind ökologisch unbedenklich, da sie so auch in der Natur vorkommen. Fische sind Freunde und sollen nichts komisches Futtern… 😉 Die Zahnpasta enthält keine Zutaten die bleichen, das heißt die Zähne werden nicht weißer davon.

Der Geschmack der Zahnpasta ist vermutlich nicht für jeden etwas, sie schmeckt erdig – salzig und etwas minzig. Wir haben uns daran gewöhnt, wollten aber vorwarnen, damit ihr wisst, worauf ihr euch da einlasst.

Müssen wir jetzt alle sterben? Zum Thema Weltverbesserer und Vorverurteiler

Du solltest immer nur in dem Rahmen, der sich für dich richtig anfühlt und woran du ganz persönlich Interesse hast, etwas an deinem Leben verändern. Du bist kein schlechterer Mensch, wenn du weiter deine herkömmliche Zahnpasta nutzt und wir verurteilen dich dafür auch nicht. Woher sollen wir wissen, was du sonst so alles großartiges tust – da wollen wir gar nicht reinreden. Wenn du aber gerade Lust hast etwas zu verändern und die Zahnpasta auf deiner Liste steht, dann hoffen wir, dass wir dich inspirieren konnten. Es gibt auch diverse andere Varianten um deine Zähne zu putzen, über einige werden wir auch noch berichten.

Wenn es etwas gibt, das wir unbedingt testen sollten, dann gebt uns bescheid – wir sind immer interessiert!

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